Unser Gesundheitsblog

Unser Gesundheitsblog

Multiple Sklerose:

Die Krankheit mit den

vielen Gesichtern

Gesundheitsblog Januar 2020

Multiple Sklerose: Die Krankheit mit den vielen Gesichtern

Sie ist nach wie vor eine rätselhafte Krankheit. 1000 Gesichter habe sie, sagen Neurologen. Die Rede ist von der Multiplen Sklerose, kurz MS genannt, an der weltweit rund 2,5 Millionen Menschen erkrankt sind. Damit zählt sie zu den häufigsten chronisch-entzündlichen Erkrankungen des sogenannten Zentralnervensystems (ZNS). Welche Symptome es gibt, wie der Krankheitsverlauf aussieht und welche Therapiemöglichkeiten es gibt, lesen Sie hier.

Was ist eine multiple Sklerose?

 

MS ist eine chronisch-entzündliche Krankheit des zentralen Nervensystems, die sowohl das Gehirn, das Rückenmark als auch die Sehnerven befallen kann. Die eigentliche Ursache ist bisher unbekannt, es wird vermutet, dass ein Angriff des Immunsystems auf das körpereigene Gewebe in direktem Zusammenhang steht. Deshalb zählt MS auch zu den sogenannten Autoimmunkrankheiten.

Der Begriff Multiple Sklerose setzt sich aus dem lateinischen Wort „multiplex = vielfach“ und dem griechischen Begriff „skleros = hart“ zusammen. Er bezieht sich auf die vielen vernarbten Bereiche, die durch die Zerstörung der Myelinscheide entstehen. Die Myelinscheide ummantelt als Schutz die Nerven und dient der Erregungsweiterleitung.

Die Beschwerden sind sehr unterschiedlich und es kann zu Seh- und Gefühlsstörungen, Schmerzen oder Lähmungen kommen. In der Regel wechseln sich Perioden guter Gesundheit mit Phasen ab, in denen sich die Symptome verschlimmern. Diese Phasen werden auch als Schübe bezeichnet, sofern sie die folgenden Kriterien erfüllen:  Die Krankheits-Symptome treten plötzlich wieder oder ganz neu auf und sind nicht durch Fieber oder eine Infektion erklärbar. Darüber hinaus sind seit dem letzten Schub mindestens 30 Tage vergangen und die Beschwerden halten für mindestens 24 Stunden an. Die Krankheit lässt sich bislang nicht heilen, jedoch lassen sich die Symptome in den meisten Fällen gut behandeln.

Welche Symptome sind typisch für MS?

Multiple Sklerose tritt in den meisten Fällen völlig unerwartet auf. Die ersten Anzeichen entwickeln sich oftmals relativ rasch innerhalb von Tagen oder gar Stunden. Das Beschwerdebild kann dabei ganz unterschiedlich ausfallen: Bei manchen Betroffenen zeigen sich nur wenige Symptome, bei anderen wiederum mehrere gleichzeitig, weshalb Neurologen auch von der Krankheit mit 1000 Gesichtern sprechen. Folgende Symptome können auf eine Multiple Sklerose hindeuten:

  • Gefühlsstörungen in den Beinen
  • Starke Ermüdung / Erschöpfung
  • Unsicherheit beim Stehen und Gehen
  • Darmentleerungsstörungen
  • Sehstörungen, insbesondere auf nur einem Auge
  • Kraftlosigkeit in den Beinen
  • Gefühlsstörungen in den Armen
  • Muskelverkrampfungen beim Gehen

 

Seltener:

  • Kraftlosigkeit in den Armen
  • Lähmungen und/oder Gefühlsstörungen im Gesicht
  • Blasenentleerungsstörungen
  • Sprachstörungen
  • Einseitige Lähmungserscheinungen des Körpers
  • Schmerzen

 

Übrigens:

Allein Deutschland leben mehr als 200.000 Menschen mit Multipler Sklerose, Tendenz steigend. Frauen erkranken deutlich häufiger als Männer. Warum das so ist, ist bisher nicht abschließend geklärt. Die Krankheit beginnt meist im frühen Erwachsenenalter zwischen 20 und 40 Jahren, kann jedoch jederzeit auch früher oder später auftreten.

Wie verläuft eine Multiple Sklerose?

Der Verlauf ist höchst individuell und nicht vorhersehbar. Allerdings gibt es verschiedene Symptommuster:

  • Ein Schubförmiger Verlauf: ist dann gegeben, wenn die Erkrankung mit sogenannten Schüben beginnt. Die Schübe treten häufig innerhalb von sechs bis acht Wochen auf und bilden sich ganz oder zumindest teilweise zurück. In den Intervallen zwischen den Schüben ist kein Fortschreiten der Erkrankung feststellbar, zudem sind die Patienten beschwerdefrei. Bis zum erneuten Schub können Monate, manchmal sogar Jahre vergehen.
  • Von einem primär fortschreitenden Verlauf spricht man, wenn die Krankheit bereits mit einer schleichenden Zunahme der Symptome beginnt, ohne dass Schübe auftreten. Ein sekundär fortschreitender Verlauf besteht, wenn wegen einer nicht durchgeführten Therapie der anfänglich schubförmige Verlauf, nach ungefähr zehn Jahren, in einen Zustand mit schleichender Zunahme der Beschwerden übergeht. Dies kann mit oder auch ohne ein Vorkommen von gelegentlichen Schübe geschehen.

 

Hätten Sie es gewusst?

Zwar sind die genauen Ursachen nach wie vor nicht geklärt, jedoch gehen Forscher davon aus, dass sowohl das Sonnenlicht als auch das Epstein-Barr-Virus (EBV) einen Einfluss bei der Entstehung von Multipler Sklerose haben. So zeigt sich, dass Menschen in Regionen mit starker Sonneneinstrahlung seltener an Multipler Sklerose erkranken als Menschen, die in sonnenärmeren Gegenden leben. Auch der Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers (Mononukleose), das Epstein-Barr-Virus, scheint neben einem Mangel an Sonnenlicht ein Risikofaktor für den Ausbruch der Autoimmunerkrankung zu sein. So weisen Menschen, die mit dem Virus infiziert sind und bereits an Pfeifferschem Drüsenfieber erkrankt waren, eine deutlich höhere Anfälligkeit für eine MS-Erkrankung auf, als Patienten, die das Virus „nur“ in sich tragen, ohne dass es zum Ausbruch kam.

Wie wird Multiple Sklerose behandelt?

Bislang ist MS zwar nicht heilbar, die Behandlung der Symptome kann aber die Beschwerden während eines Schubes verringern. Zudem kann sie das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen und erneuten Schüben vorbeugen. Die Therapie stützt sich dabei in den meisten Fällen auf vier Säulen:

  • Schubtherapie: Bei einem akuten Schub verabreicht der Arzt dem Patienten hochdosiertes Kortison. Darüber hinaus hat sich die sogenannte Plasmapherese, eine Art Blutwäsche bewährt.
  • Basistherapie: Diese langfristige Immuntherapie zielt darauf ab, die Häufigkeit und Schwere von Schüben zu reduzieren. Dafür werden unter anderem Medikamente eingesetzt, die das Immunsystem davon abhalten sollen, die Myelinscheide anzugreifen.
  • Symptomatische Therapie: Die Behandlung unspezifischer Beschwerden wie beispielsweise Depressionen, Blasen- oder Darmentleerungsstörungen, Muskelverkrampfungen, Gehstörungen, etc. wird individuell auf den Patienten abgestimmt. Einige Symptome lassen sich optimal mit Medikamenten behandeln, andere können mithilfe einer Physio- oder Ergotherapie gelindert werden.
  • Rehabilitation: Um den Betroffenen möglichst schnell und nachhaltig die Rückkehr in den Alltag zu ermöglichen, können Rehabilitationsmaßnahmen in einer entsprechenden Klinik sinnvoll sein.

 

Was können MS-Patienten selbst tun?

Ein ausgewogener Lebensstil kann den Verlauf der Krankheit günstig beeinflussen. Deshalb sollten Betroffene versuchen, Stress weitestgehend zu vermeiden. Da Infektionen Krankheitsschübe provozieren können, sollten MS-Patienten zudem ihr Infektionsrisiko minimieren. Eine gesunde Ernährung sowie ein moderates Fitness-Training gehören genauso dazu wie Momente der Entspannung und ausreichend Schlaf.

Gesundheitsblog

zurück zur Übersicht